Kamilya- 29.11.25, 14:30
Gebrauchtwagen-Probefahrt: Worauf du achten solltest
Ein Auto kann im Stand perfekt aussehen, aber erst während der Fahrt zeigt sich, ob wirklich alles in Ordnung ist.
Deshalb sagen schöne Fotos und freundliche Formulierungen in der Anzeige noch nicht viel aus. Erst auf der Strasse merkst du, ob Motor, Getriebe, Lenkung und Bremsen zuverlässig arbeiten – oder nur einen guten ersten Eindruck machen.
Eine sorgfältig geplante Probefahrt erspart dir später teure Überraschungen. Sie ist dein wichtigstes Werkzeug, um herauszufinden, ob ein Auto wirklich zu dir passt oder ob du lieber weiter suchst. Entscheidend ist, strukturiert vorzugehen und nichts dem Zufall zu überlassen.
Was du in diesem Artikel lernst
Wie du einen Gebrauchtwagen vor der Probefahrt prüfst
Welche Warnsignale du während der Fahrt erkennst
Wie sich Motor, Getriebe, Lenkung und Bremsen anfühlen sollten
Welche Geräusche und Verhaltensweisen auf teure Probleme hinweisen
Was du nach der Probefahrt kontrollieren solltest, bevor du entscheidest
Warum ist die Probefahrt so wichtig beim Gebrauchtwagenkauf?
Viele Fehler bleiben unsichtbar, solange ein Auto nur auf dem Parkplatz steht. Erst beim Fahren zeigen sich Probleme: ungewöhnliche Motorgeräusche, ruckartige Schaltvorgänge, schwammige Lenkung oder verzögertes Ansprechen. Manche Schäden treten erst unter Last auf.
Ein Auto kann im Leerlauf ruhig laufen, aber sobald du beschleunigst, ruckelt oder klopft es, weil Einspritzung oder Zündung Probleme machen. Oder die Kupplung greift zu spät – ein Hinweis darauf, dass sie bald ersetzt werden muss. Solche Reparaturen können fast so viel kosten wie der Gebrauchtwagen selbst.
Eine gut geplante Probefahrt zeigt dir ehrlich, wie es um das Fahrzeug steht. Du spürst, ob du dich im Auto wohlfühlst, ob es zuverlässig reagiert und ob es zu deinem Alltag passt. Oft sind es kleine Hinweise, die auf grössere Probleme deuten – aber nur, wenn du bewusst darauf achtest.
Wie bereitest du dich optimal auf die Probefahrt vor?
Unterlagen und Formalitäten
Vergiss deinen Führerausweis nicht – klingt banal, passiert aber erstaunlich oft. Kläre vorher den Versicherungsschutz für die Probefahrt. Die meisten seriösen Verkäufer haben ein schriftliches Formular vorbereitet. Falls nicht, ist Vorsicht angebracht. Im Zweifel lohnt sich ein kurzer Anruf bei deiner Versicherung – ein Unfall während der Probefahrt kann richtig teuer werden.
Fahrzeugzustand vor Fahrtbeginn prüfen
Bevor du den Motor startest, machst du einen Rundgang um das Auto. Schau dir die Reifen an: Sind sie gleichmässig abgefahren? Unregelmässiger Abrieb deutet auf Probleme bei Fahrwerk oder Spur hin. Kontrolliere alle Lichter und wirf einen Blick unter das Fahrzeug. Öl- oder Flüssigkeitsflecken am Boden sind kein gutes Zeichen.
Den Ölstand zu prüfen dauert zwei Minuten, sagt aber viel über den Pflegezustand aus. Ein völlig verschmutzter Motorraum ist ein schlechtes Zeichen – hier wurde vermutlich wenig Wert auf Wartung gelegt.
Route und Fahrbedingungen planen
Plane eine Strecke, die verschiedene Situationen abdeckt: Stadtverkehr, Landstrasse und Autobahn. Nur so erhältst du ein vollständiges Bild vom Fahrverhalten. Manche Probleme zeigen sich erst bei höherer Geschwindigkeit, andere im Stop-and-go-Verkehr. Idealerweise beinhaltet die Route auch Parkmanöver, Steigungen und enge Kurven.
Worauf solltest du während der Probefahrt achten?
Motor und Geräusche
Schon beim Kaltstart kannst du viel erkennen. Ein gesundes Auto startet zügig und läuft gleichmässig. Stottern, starkes Vibrieren oder unruhiger Lauf sind Warnsignale. Während der Fahrt solltest du auf metallisches Klopfen oder andere ungewohnte Geräusche achten – oft ein Hinweis auf teure Motorschäden.
Verändere bewusst die Drehzahl, beschleunige unterschiedlich stark und achte darauf, ob der Motor sauber durchzieht oder ob er ruckelt, Leistungslöcher hat oder ungewöhnlich laut wird.
Getriebe und Kupplung
Probiere alle Gänge aus, inklusive Rückwärtsgang. Sie sollten sich leicht und ohne Kratzen einlegen lassen. Bei einem Schaltgetriebe darf die Kupplung weder zu früh noch zu spät greifen; das Auto sollte kontrolliert anfahren, ohne durchzudrehen oder abgewürgt zu werden.
Automatikgetriebe sind oft schwerer einzuschätzen, weil sie auch bei Problemen zunächst weich schalten können. Achte auf Verzögerungen beim Gangwechsel, spürbare Stösse oder unlogische Schaltvorgänge, zum Beispiel starkes Hochdrehen ohne entsprechenden Vortrieb.
Lenkung und Bremsen
Die Lenkung sollte präzise sein und das Auto sollte geradeaus laufen, ohne dass du ständig korrigieren musst. Zieht das Fahrzeug zur Seite oder vibriert das Lenkrad, kann das auf Probleme mit Spur, Reifen oder Fahrwerk hinweisen.
Teste die Bremsen in verschiedenen Situationen, natürlich ohne andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden. Das Auto sollte gleichmässig verzögern und nicht zur Seite ziehen. Starke Vibrationen im Pedal oder im Lenkrad können auf verzogene Bremsscheiben hindeuten.
Komfort und Alltagstauglichkeit
Neben der Technik spielt auch dein persönliches Gefühl eine Rolle. Sitzt du bequem? Hast du gute Sicht nach vorne und nach hinten? Sind Geräuschpegel und Federung für dich angenehm oder empfindest du das Auto als zu hart oder zu laut?
Teste alle Bedienelemente: Fensterheber, Klimaanlage, Lüftung, Infotainment-System, Spiegelverstellung, Sitzverstellung und weitere Funktionen. Kleine Dinge, die bei der Probefahrt unwichtig erscheinen, können im Alltag schnell nerven.
Nach der Probefahrt – wie bewertest du das Fahrzeug richtig?
Eindrücke dokumentieren
Notiere dir direkt nach der Fahrt alle Auffälligkeiten und Eindrücke. Nach mehreren Besichtigungen und Probefahrten verschwimmen die Details schnell. Fotos und kurze Notizen auf dem Handy helfen dir später beim Vergleich und bei der Entscheidung.
Technische Kontrolle
Bei teureren Gebrauchtwagen lohnt es sich, einen Fachmann hinzuzuziehen – zum Beispiel eine unabhängige Werkstatt oder einen Experten des Strassenverkehrsamts. Ein professioneller Blick erkennt oft Mängel, die Laien übersehen.
Gerade bei Fahrzeugen mit höherem Restwert oder komplexer Technik (Hybrid, Elektro, Premium-Modelle) kann eine vorgängige Überprüfung viel Geld sparen.
Entscheidung treffen
Lass dich nicht von Aussagen wie „Das Auto ist morgen weg“ unter Druck setzen. Das ist ein klassischer Verkaufsdruck. Wenn du unsicher bist, ist eine zweite Probefahrt sinnvoll – idealerweise bei Tageslicht und auf einer anderen Strecke. Lieber einmal zu viel nachgeprüft als später einen Fehlkauf zu bereuen.
Gebrauchtwagen prüfen wie ein Profi
Sichtprüfung und Innenraum
Lenkrad, Pedale und Sitze verraten vieles über die tatsächliche Laufleistung. Ein stark abgegriffenes Lenkrad bei einem angeblich niedrigen Kilometerstand sollte dich misstrauisch machen. Normale Abnutzung ist in Ordnung, sie muss aber zur angegebenen Laufleistung passen.
Motorraum und Unterboden
Ein sauberer, trockener Motorraum spricht oft für regelmässige Wartung. Ölspuren, Rost oder poröse Schläuche sind Warnsignale. Wenn möglich, wirf auch einen Blick unter das Fahrzeug – dort erkennst du oft Roststellen, Undichtigkeiten oder beschädigte Teile, die von oben nicht sichtbar sind.
Elektronik und Ausstattung
Moderne Autos verfügen über zahlreiche elektronische Systeme. Teste jede Funktion: Beleuchtung, Blinker, Scheibenwischer, Klimaanlage, Sitzheizung, Parksensoren, Rückfahrkamera, Infotainment und alle wichtigen Assistenzsysteme. Defekte Elektronik kann sehr teuer werden, insbesondere bei älteren Fahrzeugen.
Digitale Tools und Checklisten
Checklisten-Apps oder ausgedruckte Prüflisten helfen dir, systematisch vorzugehen und nichts zu vergessen. Wenn du mit einer strukturierten Liste auftauchst, wirkt das zudem professionell – das kann dir bei der Verhandlung helfen, weil klar ist, dass du dich gut vorbereitet hast.
Häufige Fehler bei der Probefahrt und wie du sie vermeidest
1. Zu kurze Probefahrt
Eine Runde um den Block reicht nicht aus. Plane mindestens 30 Minuten ein, besser etwas mehr. Nur so erlebst du das Auto in verschiedenen Situationen und mit warmem Motor.
2.0Kein Kaltstart
Lass dir nicht erzählen, das Auto müsse „schon mal warm laufen“. Ein Kaltstart ist Pflicht, weil viele Probleme nur bei kaltem Motor auftreten – zum Beispiel Startschwierigkeiten, unruhiger Lauf oder ungewöhnliche Geräusche.
4. Zu viel Vertrauen in den Verkäufer
Auch ein sympathischer Verkäufer verfolgt ein Ziel: das Auto verkaufen. Nimm deine eigenen Eindrücke ernst, auch wenn Probleme heruntergespielt werden. Seriöse Verkäufer haben kein Problem mit einer gründlichen Prüfung und einer unabhängigen Einschätzung.
4. Fehlende Dokumentation
Verlasse dich nicht nur auf dein Gedächtnis. Ohne Notizen und Fotos vergisst du schnell Details oder verwechselst Fahrzeuge. Dokumentiere Kilometerstand, Baujahr, auffällige Geräusche, sichtbare Mängel und alle relevanten Informationen direkt nach der Fahrt.
Wichtige Hinweise
Zeit ist dein grösster Verbündeter bei der Gebrauchtwagen-Probefahrt. Lass dich nicht hetzen – weder bei der Vorbereitung noch bei der Fahrt oder bei der Entscheidung.
Mechanische Probleme an Motor, Getriebe oder Bremsen sind besonders teuer. Hier lohnt es sich, ganz genau hinzuschauen oder einen Fachmann beizuziehen. Eine neutrale Expertenmeinung kann dir viel Geld und Ärger ersparen.
Wenn du dir noch nicht sicher bist, welcher Fahrzeugtyp am besten zu dir passt, kann es sinnvoll sein, verschiedene Modelle über einen längeren Zeitraum zu testen, bevor du dich festlegst. Ein Auto-Abo bietet dafür eine flexible Möglichkeit, ohne dich direkt an einen Kauf zu binden.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
Eine Probefahrt deckt Mängel auf, die im Stand unsichtbar bleiben.
Motor, Getriebe, Lenkung und Bremsen sollten ruhig, präzise und ohne Verzögerungen arbeiten.
Ungewöhnliche Geräusche, Vibrationen oder ein Ziehen zur Seite sind Warnsignale.
Ungleichmässiger Reifenabrieb und schlechte Schaltvorgänge können auf teure Reparaturen hinweisen.
Nach der Fahrt lohnt sich ein Blick auf mögliche Flüssigkeitsverluste und eine Kontrolle der Elektronik, bevor du eine Entscheidung triffst.
Fazit – So triffst du eine sichere Entscheidung
Eine gründliche Probefahrt ist wie eine Versicherung: Sie kostet dich etwas Zeit, erspart dir aber im besten Fall viel Ärger und Geld. Gute Vorbereitung, systematisches Testen und eine ehrliche Bewertung deiner Eindrücke sind die entscheidenden Bausteine für eine sichere Entscheidung.
Wenn du verschiedene Modelle längerfristig testen möchtest, bevor du dich festlegst, kann ein Auto-Abo eine sinnvolle Lösung sein. Du sammelst echte Alltagserfahrungen, ohne dich sofort an einen Kauf binden zu müssen, und findest so heraus, welches Fahrzeug wirklich zu dir passt.
FAQ
Wie lange sollte eine Probefahrt mit einem Gebrauchtwagen dauern?
Plane mindestens eine halbe Stunde ein. Ideal ist eine Strecke, die Stadtverkehr, Landstrasse, Autobahn und Parkmanöver abdeckt. Erst dann bekommst du ein realistisches Bild vom Fahrverhalten.
Wann ist eine zweite Probefahrt sinnvoll?
Immer dann, wenn du dir unsicher bist oder das Auto unter anderen Bedingungen testen möchtest – zum Beispiel bei Tageslicht statt am Abend oder auf einer anderen Strecke. Bei grösseren Investitionen ist eine zweite Probefahrt sehr empfehlenswert.
Sollte ich einen Fachmann zur Probefahrt mitnehmen?
Bei teureren Fahrzeugen oder wenn du selbst wenig Erfahrung mit Autos hast, ist das eine gute Idee. Ein erfahrener Mechaniker erkennt Probleme schneller und kann dir helfen, Risiken besser einzuschätzen.





